Blauflügel-Prachtlibelle, Männchen, Schwarze Au, 2008, A. Bruens

Blauflügel-Prachtlibelle (Calopteryx virgo)

Merkmale

Größe:

Relativ große und kräftige Kleinlibelle mit einer Flügelspannweite von etwa 5 bis 7 cm.

Männchen:

Körper und Flügel normalerweise komplett metallisch dunkelblau, eventuell Flügelspitze und -basis etwas heller gefärbt (Breite der ungefärbten Flügelbasis höchstens 1/5 der Flügellänge). Breite der ungefärbten Flügelbasis und rötliche Färbung der letzten drei Hinterleibssegmente ("Laterne") grenzt die Art eindeutig von der Gebänderten Prachtlibelle ab.

Weibchen:

Körper bronze bis kupferfarben, Flügel transparent-braun, in Alter heller. Abgrenzung zum Weibchen der Gebänderten Prachtlibelle anhand der Färbung ist oft nicht eindeutig.

Larve/Exuvie:

Länge der größeren Larvenstadien 23 bis 34 mm. Fangmaske mit rautenförmiger Aussparung in der Mitte, Antenne mit deutlich verlängertem ersten Segment. Deutlicher Höcker zwischen den Augen und seitlich am Hinterkopf grenzen ältere Larven eindeutig von denen der Gebänderten Prachtlibelle ab.

Verbreitung

Gesamtverbreitung:

Europa bis Mongolei. Fehlt im Norden der Britischen Inseln, in Nord- und Westskandinavien, in Teilen der Iberischen Halbinsel, auf Sardinien und Sizilien.

Deutschland:

Verbreitungsschwerpunkt in den höhergelegenen waldreichen Mittelgebirgen (bis ca. 900 m Höhe). Lückige Verbreitung in der Norddeutschen Tiefebene.

Schleswig-Holstein:

Vor allem im Bereich der Geest südlich des Nord-Ostsee-Kanals bodenständig. Sie fehlt in der Marsch aufgrund ungeigneter Gewässerstruktur, ist aber überraschenderweise aber auch im Östlichen Hügelland an potenziell geeigneten Bächen nicht vertreten.

Bestand in Schleswig-Holstein

Aktuell eine in Schleswig-Holstein seltene Art, die Mitte bis Ende des letzten Jahrhunderts einen deutlichen Rückgang zu verzeichnen hatte. Aktuell scheinen sich die Bestände zu stabilisieren, ohne dass eine Ausdehung des seit Jahrzehnten besiedelten Areals zu beobachten wäre.

Biologie

Überwinterung: als Larve

Dauer Larvalentwicklung: 2 Jahre

Schlupfzeit in SH: Ende Mai bis Ende Juni

Flugzeit in SH: Ende Mai bis Ende Juli, einzelne Tiere noch im August und September

Verhalten:

Männchen bilden am Fortpflanzungsgewässer Tagesreviere, die sie von Sitzwarten aus bewachen und mit Drohflügen bis hin zu Luftkämpfen gegen eindringende Männchen verteidigen. Ins Revier einfliegende Weibchen werden durch einen auffälligen Schwirrflug, bei dem die rot gefärbte Unterseite der letzten drei Hinterleibssegmente präsentiert wird, zur Paarung und Eiablage animiert.

Eiablage:

Weibchen legen im Revier der Männchen die Eier in flutende Wasserpflanzen, in im Wasser hängende Halme/Stängel von Uferpflanzen oder in Feinwurzeln von bachbegleitenden Gehölzen wie Erlen.

Lebensräume

Imagines:

Ideal sind naturnahe, sauerstoffreiche Bäche mit guter Wasserqualität, die sowohl beschattete als auch besonnte Abschnitte mit Wasserpflanzen aufweisen. In vollständig beschattenen oder sehr offenen Abschnitten nur in geringer Individuendichte und möglicherweise mit eingeschränktem Fortpflanzungserfolg. Bisher bei uns nicht in Seeabflüssen nachgewiesen.

Larven:

In strömungsberuhigten Bereichen der Fließgewässer mit flutenden Wasserpflanzen, Wurzeln oder ins Wasser hängende Halme der Ufervegetation, auch in Buchten mit Totholz und Falllaub. Bisher kein Nachweis für Entwicklung in Stillgewässern.

Gefährdung

Rote Liste Schleswig-Holstein 2011: gefährdet

Rote Liste Deutschland 2014: ungefährdet

Gefährdungsursachen: schlechte Wasserqualität, wasserbauliche Maßnahmen

Schutz

Europäische Union (FFH-Richtlinie): -

Deutschland (BNatSchG): besonders geschützt

Schutzmaßnahmen: strukturverbessernde Maßnahmen in Fließgewässern, Entwicklung von Ufergehölz, Schaffung von ungenutzen Uferrandstreifen, Schutz vor Nähr- und Schadstoffeintrag.

Literatur

  • ARBEITSKREIS LIBELLEN SCHLESWIG-HOLSTEIN (Hrsg.) (2015): Die Libellen Schleswig-Holsteins. – Natur + Text, Rangsdorf, 544 pp.
  • BROCHARD, C.; D. GROENENDIJK; E. VAN DEN PLOEG & T. TERMAAT (2012): Fotogids Larvenhuidjes van Libellen. – KNNV Uitgeverij, Zeist.
  • BROCKHAUS, T. & U. FISCHER (2005): Die Libellenfauna Sachsens. – Natur + Text, Rangsdorf, 427 pp.
  • BROCKHAUS, T.; H.-J. ROLAND; T. BENKEN; K.-J. CONZE; A. GÜNTHER; K.G. LEIPELT; M. LOHR; A. MARTENS; R. MAUERSBERGER; J. OTT; F. SUHLING; F. WEIHRAUCH & C. WILLIGALLA (2015, Ed.): Atlas der Libellen Deutschlands. – Libellula Supplement 14, 464 pp.
  • DIJKSTRA, K.-D. B. (Ed.) (2014): Die Libellen Europas. Ein Bestimmungsführer. – Haupt-Verlag, Bern.
  • RÜPPELL, G.; D. HILFERT-RÜPPELL; G. REHFELDT & C. SCHÜTTE (2005): Die Prachtlibellen Europas. - Neue Brehm-Bücherei Bd. 654; Westarp-Wissenschaften, Hohenwarsleben.
  • ZAHNER, R. (1959): Über die Bindung von Calopteryx (=Agrion) virgo L. und Calopteryx (=Agrion) splendens HARR. (Odonata, Zygoptera) an den Lebensraum des strömenden Wassers. I Der Anteil der Larven an der Biotopbindung. – Int. Rev. Ges. Hydrobiol. 44: 51-130.
  • ZAHNER, R. (1960): Über die Bindung von Calopteryx (=Agrion) virgo L. und Calopteryx (=Agrion) splendens HARR. (Odonata, Zygoptera) an den Lebensraum des strömenden Wassers. II Der Anteil der Imagines an der Biotopbindung. – Int. Rev. Ges. Hydrobiol. 45: 101-123.

A. Bruens