Gebänderte Prachtlibelle, Männchen, Krückau, 2013

Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens)

Merkmale

Größe:

Relativ große und kräftige Kleinlibelle mit einer Flügelspannweite von etwa 5 bis 7 cm.

Männchen:

Körper metallisch dunkelblau, Flügel mit blauem Band, Flügelspitze und -basis deutlich transparent (Breite der ungefärbten Flügelbasis mindestens 1/3 der Flügellänge). Breite der ungefärbten Flügelbasis und weiße Färbung der letzten drei Hinterleibssegmente ("Laterne") grenzt die Art eindeutig von der Blauflügel-Prachtlibelle ab.

Weibchen:

Körper metallisch grün, Flügel transparent-grün, in Alter heller. Abgrenzung zum Weibchen der Blauflügel-Prachtlibelle anhand der Färbung ist oft nicht eindeutig.

Larve/Exuvie:

Länge der größeren Larvenstadien/Exuvie 23 bis 34 mm. Fangmaske mit rautenförmiger Aussparung in der Mitte, Antenne mit deutlich verlängertem ersten Segment. Höcker zwischen den Augen und seitlich am Hinterkopf fehlen, dadurch ältere Larve/Exuvie eindeutig von denen der Blauflügel-Prachtlibelle abzugrenzen.

Verbreitung

Gesamtverbreitung:

Europa bis Sibirien. Fehlt im Norden Schottland, in Nordskandinavien, auf Malta und Sizilien. In Südfrankreich und auf der Iberischen Halbinsel wird sie durch Südwestliche Prachtlibelle ersetzt.

Deutschland:

In ganz Deutschland nachgewiesen und an geeigneten Gewässern häufig. Fehlt in der Regel an der Nord- und Ostseeküste.

Schleswig-Holstein:

In allen Landesteilen festgestellt, Verbreitungsschwerpunkte sind die Flüsse und größeren Bäche (wie Trave, Treene, Schwentine, Stör, Schwartau, Bille, Eider, Krückau, Pinnau, Alster, Kossau) und ihre Zuflüsse. Sie ist relativ selten in der Marsch, in Angeln und im nördlichen Ostholstein zu finden.

Bestand in Schleswig-Holstein

Aktuell eine in Schleswig-Holstein mäßig häufige Art, die wahrscheinlich alle von der Wasser-qualität und Struktur her geeigneten Gewässer im Land besiedelt. Die Art dürfte von den strukturverbessernden Maßnahmen, die zur Zeit an vielen Fließgewässern durchgeführt werden, profitieren.

Biologie

Überwinterung: als Larve

Dauer Larvalentwicklung: 2 Jahre

Schlupfzeit in SH: Ende Mai bis Ende Juni

Flugzeit in SH: Ende Mai bis Ende August, einzelne Tiere noch im September

Verhalten:

Männchen bilden am Fortpflanzungsgewässer Tagesreviere, die sie von Sitzwarten aus bewachen und mit Drohflügen bis hin zu Luftkämpfen gegen eindringende Männchen verteidigen. Ins Revier einfliegende Weibchen werden durch einen auffälligen Schwirrflug, bei dem die weiß gefärbte Unterseite der letzten drei Hinterleibssegmente präsentiert wird, zur Paarung und Eiablage animiert.

Eiablage:

Weibchen legen im Revier der Männchen die Eier in flutende Wasserpflanzen oder in im Wasser hängende Halme/Stängel von Uferpflanzen.

Lebensräume

Imagines:

Eine typische Art wenig beschatteter, pflanzenreicher Fließgewässer. Besiedelt sowohl schnell fließende kleinere Bäche mit strömungsberuhigten Buchten als auch langsam fließende breite Flüsse. Auch in Seeabflüssen und selbst in begradigten und naturfern ausgebauten Fließgewässern zu finden, wenn flutende Wasserpflanzen oder ins Wasser hängende Halme von Ufergräsern sowie Sitzwarten auf der Böschung vorhanden sind.

Larven:

In strömungsberuhigten Bereichen der Fließgewässer mit flutenden Wasserpflanzen, Wurzeln oder ins Wasser hängende Halme der Ufervegetation. Nachweise für eine Entwicklung unter Stillgewässerbedingungen liegen vor, sind aber die Ausnahme.

Die Larven sollen auch Brackwasser tolerieren, dies kann in Schleswig-Holstein jedoch bisher nicht bestätigt werden.

Gefährdung

Rote Liste Schleswig-Holstein 2011: ungefährdet

Rote Liste Deutschland 2014: ungefährdet

Gefährdungsursachen: schlechte Wasserqualität, wasserbauliche Maßnahmen

Schutz

Europäische Union (FFH-Richtlinie): -

Deutschland (BNatSchG): besonders geschützt

Schutzmaßnahmen:

strukturverbessernde Maßnahmen in Fließgewässern, Schaffung von ungenutzen Uferrandstreifen, Schutz vor Nähr- und Schadstoffeintrag

Literatur

  • ARBEITSKREIS LIBELLEN SCHLESWIG-HOLSTEIN (Hrsg.) (2015): Die Libellen Schleswig-Holsteins. – Natur + Text, Rangsdorf, 544 pp.
  • BROCHARD, C.; D. GROENENDIJK; E. VAN DEN PLOEG & T. TERMAAT (2012): Fotogids Larvenhuidjes van Libellen. – KNNV Uitgeverij, Zeist.
  • BROCKHAUS, T. & U. FISCHER (2005): Die Libellenfauna Sachsens. – Natur + Text, Rangsdorf, 427 pp.
  • BROCKHAUS, T.; H.-J. ROLAND; T. BENKEN; K.-J. CONZE; A. GÜNTHER; K.G. LEIPELT; M. LOHR; A. MARTENS; R. MAUERSBERGER; J. OTT; F. SUHLING; F. WEIHRAUCH & C. WILLIGALLA (2015, Ed.): Atlas der Libellen Deutschlands. – Libellula Supplement 14, 464 pp.
  • DIJKSTRA, K.-D. B. (Ed.) (2014): Die Libellen Europas. Ein Bestimmungsführer. – Haupt-Verlag, Bern.
  • RÜPPELL, G.; D. HILFERT-RÜPPELL; G. REHFELDT & C. SCHÜTTE (2005): Die Prachtlibellen Europas. - Neue Brehm-Bücherei Bd. 654; Westarp-Wissenschaften, Hohenwarsleben.
  • THOMES, A. (1985): Ökologische Beobachtungen an den Libellen (Odonata, Insecta) des Unteren Schierenseebaches (Naturpark Westensee, Schleswig-Holstein). – Diplomarbeit an der Christian-Albrechts-Universität Kiel, 112 pp.
  • ZAHNER, R. (1959): Über die Bindung von Calopteryx (=Agrion) virgo L. und Calopteryx (=Agrion) splendens HARR. (Odonata, Zygoptera) an den Lebensraum des strömenden Wassers. I Der Anteil der Larven an der Biotopbindung. – Int. Rev. Ges. Hydrobiol. 44: 51-130.
  • ZAHNER, R. (1960): Über die Bindung von Calopteryx (=Agrion) virgo L. und Calopteryx (=Agrion) splendens HARR. (Odonata, Zygoptera) an den Lebensraum des strömenden Wassers. II Der Anteil der Imagines an der Biotopbindung. – Int. Rev. Ges. Hydrobiol. 45: 101-123.

A. Bruens