Hauben-Azurjungfer (Coenagrion armatum)

Merkmale

Größe:

Es handelt sich um eine Kleinlibelle mit einer Gesamtlänge von ca. 30 bis 35 mm und einer Flügelspannweise von etwa 40 bis 50 mm.

Männchen:

Die Oberseite des Hinterleibs ist überwiegend schwarz. Lediglich die Basis (Segmente 1 bis 3) und das Ende des Hinterleibs (Segmente 8 und 9) besitzen eine blau-grüne Grundfärbung. Das zweite Segment zeigt darauf eine schwarze Zeichnung, die an eine Haube erinnern soll. Sehr auffällig sind die großen unteren Hinterleibsanhänge

Weibchen:

Die Oberseite des Hinterleibs ist wie beim Männchen überwiegend schwarz. Neben den Segmenten 1 bis 3 besitzt das Segment 8 eine blau-grüne Grundfärbung, die bei älteren Weibchen auch gelblich-braun und bei frisch geschlüpften Exemplaren bläulich-weiß ausfallen kann. Die schwarze Zeichnung auf dem 2. Segment ist mit dem Pik-Symbol von Kartenspielen vergleichbar.

Larve/Exuvie:

Die Larve ist schwer von den Arten anderer Azurjungfern zu unterscheiden. Sie erreicht eine Körperlänge von 19 bis 23 mm. Die Kiemenblätter sind rundlich und besitzen keine dunkle Bänderung. Ihr distaler Rand ist auffällig verdickt.

Verbreitung

Gesamtverbreitung:

Nordische Art, deren Verbreitungsgebiet aktuell von den Niederlanden im Westen bis zur rus- sischen Halbinsel Kamtschatka im Osten reicht. Während sie in Teilen Skandinaviens noch weit verbreitet ist, existieren in Mitteleuropa vorwiegend räumlich isolierte Reliktvorkommen. In Südeuropa fehlt die Art.

Deutschland:

Aktuell ist die Hauben-Azurjungfer bundesweit nur aus Schleswig-Holstein bekannt. Frühere Meldungen liegen auch aus Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Sachsen vor.

Schleswig-Holstein:

Die Art wurde aktuell nur noch in den Kreisen Nordfriesland und Schleswig-Flensburg festge- stellt. Die Fundorte befinden sich dort in Moor- und Heidegebieten der Geest und den Endmorä- nenlagen des Östlichen Hügellands.

Bestand in Schleswig-Holstein

Die Hauben-Azurjungfer ist gegenwärtig aus 14 Gebieten bekannt und gehört damit zu den seltensten Libellenarten Schleswig-Holsteins. Die früheren Vorkommen in den südlichen und östlichen Landesteilen scheinen inzwischen alle erloschen zu sein. In den nördlichen Landesteilen konnten demgegenüber einige der aus den 1970er Jahren bekannten Fundorte aktuell bestätigt sowie zuvor unbekannte Fundorte ermittelt werden.

Biologie

Überwinterung: als Larve

Dauer Larvalentwicklung: ein Jahr, möglicherweise auch zwei Jahre

Schlupfzeit in SH: Ende April bis Mitte Mai

Flugzeit in SH: Ende April bis Mitte Juni

Verhalten:

Die Männchen sowie ein Großteil der Weibchen halten sich durchweg in der Uferzone der Gewässer auf, die sie auch während der Reifungsphase und in Schlechtwetterperioden nicht verlassen. Reviere werden von den Männchen nicht besetzt.

Eiablage:

Weibchen legen ihre Eier vorwiegend in abgestorbene, im Wasser treibende Pflanzenteile, zum Teil auch in lebende Wasserpflanzen.

Lebensräume

Imagines:

Besiedelt werden mäßig nährstoffreiche Stillgewässer, die sich in erster Linie in abgetorften Hochmooren sowie in Heide- und Dünengebieten befinden. Die Libellen halten sich dort im Bereich von etwa knietiefen Flachwasserzonen auf, die von lückigen Binsen-, Seggen- oder Schilfbeständen eingenommen werden.

Larven:

Halten sich benfalls in Flachwasserzonen auf, wo ihnen vielfach dichte Wasserschlauchbestände Deckung gegenüber Fressfeinden bieten.

Gefährdung

Rote Liste Schleswig-Holstein 2011: vom Aussterben bedroht

Rote Liste Deutschland 2014: vom Aussterben bedroht

Gefährdungsursachen: Nährstoffeinträge (dadurch Verlust lückig bewachsener Uferzonen), Entwässerungsmaßnahmen (dadurch frühzeitiges Austrocknen der Gewässer)

Schutz

Europäische Union (FFH-Richtlinie): -

Deutschland (BNatSchG): streng geschützt

Schutzmaßnahmen: Einrichtung von Pufferzonen zu angrenzenden landwirtschaftlichen Nutz- flächen, Wiedervernässung von Moorflächen, Wiederherstellung früherer und Sanierung poten-zieller Habitate (z.B. Schaffung von besonnten Flachwasserzonen, Entfernung von Fischbestän- den).

Literatur

  • ARBEITSKREIS LIBELLEN SCHLESWIG-HOLSTEIN (Hrsg.) (2015): Die Libellen Schleswig-Holsteins. – Natur + Text, Rangsdorf, 544 pp.
  • BOUWMAN, J. & R. KETELAAR (2008): New records of Coenagrion armatum in Schleswig-Holstein (Odonata: Coenagrionidae). – Libellula 27(3/4): 185-190
  • BROCHARD, C.; D. GROENENDIJK; E. VAN DEN PLOEG & T. TERMAAT (2012): Fotogids Larvenhuidjes van Libellen. – KNNV Uitgeverij, Zeist.
  • BROCKHAUS, T.; H.-J. ROLAND; T. BENKEN; K.-J. CONZE; A. GÜNTHER; K.G. LEIPELT; M. LOHR; A. MARTENS; R. MAUERSBERGER; J. OTT; F. SUHLING; F. WEIHRAUCH & C. WILLIGALLA (2015, Ed.): Atlas der Libellen Deutschlands. – Libellula Supplement 14, 464 pp.
  • DIJKSTRA, K.-D. B. (Ed.) (2014): Die Libellen Europas. Ein Bestimmungsführer. – Haupt-Verlag, Bern.
  • KELM, H.-J. (1983): Neue Funde von Coenagrion armatum Charpentier 1840 in Schleswig-Holstein. – Drosera 83(1): 13-14.
  • SCHMIDT, E. G. (1978): Die Verbreitung der Kleinlibelle Coenagrion armatum Charpentier, 1840, in Nordwestdeutschland (Odonata: Coenagrionidae). – Drosera 78(2): 39-42.
  • STERNBERG, K. & R. BUCHWALD (Hrsg.) (1999): Die Libellen Baden-Württembergs. Band 1: Allgemeiner Teil, Kleinlibellen (Zygoptera). - Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, 468 pp.
  • WILDERMUTH. H. & A. MARTENS (2014): Taschenlexikon der Libellen Europas. Alle Arten von den Azoren bis zum Ural im Porträt.– Quelle & Meyer, Wiebelsheim.
  • WINKLER, C.; H. NEUMANN & A. DREWS (2009): Verbreitung und Ökologie von Coenagrion armatum am südwestlichen Arealrand in Schleswig-Holstein (Odonata: Coenagrionidae). – Libellula 28(1/2): 1-24.

Text: C. Winkler, Foto: A. Bruens