Kleiner Zwischenbericht

Liebe Libellenfreunde,

das Frühjahr schreitet voran und so langsam wird man nervös, ob man den richtigen Zeitpunkt zum Monitoring der ersten frühen Arten verpasst. Insbesondere Moorarten, wie z. B. Leucorrhinia pectoralis, könnten bereits schlüpfen.

Tatsächlich gibt es jetzt die erste Meldung dieser Art (wenige Individuen) vom 18.05.2021 am Krebsscherengewässer in Kiel Hammer (C. Winkler)!

Bei einer Nachkontrolle am 19.05.2021 schlüpften an diesem ca. 600 qm großen Gewässer bereits 67 Tiere, zusätzlich habe ich 14 Exuvien (5,9) abgesammelt. Zusätzlich konnte die Emergenz einzelner Tiere von Cordulia aenea, Pyrrhosoma nymphula und Coenagrion pulchellum beobachtet werden.

Es ist also zu erwarten, dass es auch in anderen Gebieten Leucorrhinia pectoralis schlüpfen könnte. C. Winkler und ich haben uns deshalb die geeigneten Moorgebiete der schleswigschen und nordfriesischen Geest am 20.05.2021 angesehen, auch, um zu überprüfen, ob seltene Moor-Kleinlibellen die „schlechten“ Jahre seit 2018 überstanden haben. Das Ergebnis war ernüchternd, aber vielleicht wird dieses Jahr ja einmal besser. Die meisten Moore zeigten gute Wasserstände bzw. es waren Vernässungsmaßnahmen eingeleitet worden, die die Habitate deutlich verbessert haben (z.B. NSG Schwansmoor).

Im Einzelnen:

  • NSG Jardelunder Moor (SL): keine Coenagrion armatum, hastulatum oder lunulatum, sehr vereinzelt Coenagrion puella, C. pulchellum, Pyrrhosoma nymphula, Enallagma cyathigerum. Mehr Individuen von Cordulia aenea, Libellula quadrimaculata, Leucorrhinia rubicunda und bereits Leucorrhinia dubia, aber wahrlich keine Massen, wie man sie in anderen Jahren beobachten konnte.
  • NSG Schwansmoor (NF): An dem bekannten guten Libellen-Gewässer keine einzige Libelle oder Exuvie! Ehemals gab es dort Vorkommen aller „kleinen Blauen“, die man an einem solchen Standort erwarten könnte. Im vernässten Ostteil des Moores 3 Leucorrhinia rubicunda und 2 Pyrrhosoma nymphula.
  • Waldmoor bei Lütjenholm (NF): Gute Wasserstände, aber leider eutropher als früher (vielleicht weil angrenzend der gesamte Nadelwald zusammenbricht?). Massenbestände von Pyrrhosoma nymphula, ebenso viele Libellula quadrimaculata und Cordulia aenea. Immerhin hier einzelne Coenagrion hastulatum!
  • Büchmoor bei Idstedt (SL): Einzelne Leucorrhinia rubicunda und Pyrrhosoma nymphula, aber keine Coenagrion armatum und Clunulatum, trotz ausreichend hoher Wasserstände
  • Ahrenholzfelder Moor (SL): Einzelne Coenagrion armatum, viele Enallagma cyathigerum, Leucorrhinia rubicunda, Libellula quadrimaculata und Pyrrhosoma nymphula. Ausreichend hohe Wasserstände.

W. Striberny hat sich das NSG Süderberge mit dem Möwensee (NF) vorgenommen. Dort fand er immerhin mehr als 50 Coenagrion pulchellum, mehrere C. puella, 4 Pyrrhosoma nymphula, 1 Libellula quadrimaculata und 1 Coenagrion armatum.

 

A. Thomes hat einzelne Leucorrhinia rubicunda am 16. und 17.05.2021 am Budschi-Moor (Fröruper Berge, SL) beobachtet.

D. Kolligs meldet den Schlupf von Brachytron pratense am 20.05. in Röbel bei Eutin (OH).

Insgesamt ein beängstigendes Ergebnis. Sollte sich der Trend fortsetzen, dürften einige der eurosibirischen Kleinlibellen in diesen Gebieten bald verschwunden sein. Hoffen wir einmal, dass dieses Frühjahr immerhin die Wasserstände der Moore „hält“. Verwirrend sind aber Situationen wie im Schwansmoor, wo offensichtlich alle Bedingungen perfekt sind (und das schon seit Jahren) und es trotzdem wenige bis keine Tiere gibt. An fehlendem Wasser kann es nicht gelegen haben. Sind vielleicht andere Trigger jetzt auch bei den Libellen angekommen?

Siehe auch:

https://pan-germany.org/pestizide/auch-in-naturschutzgebieten-sind-insekten-einer-erheblichen-belastung-durch-pestizide-ausgesetzt/

Viele Grüße 

 

Arne Drews