Zarte Rubinjungfer (Ceriagrion tenellum)

Merkmale

Größe:

Eine sehr zarte Kleinlibelle mit einer Länge von 25 bis 35 mm.

Männchen:

Die Grundfärbung ist hellrot, Beine und Flügelmal sind rötlich bis hell rotbraun (im Gegensatz zur Frühen Adonislibelle). Auf den Brustseiten sind die Antehumeralstreifen reduziert oder fehlen.

Weibchen:

Die Weibchen sind ebenfalls rot mit rötlichen Beinen und Flügelmal. Es existieren jedoch mehrere Farbformen mit unterschiedlich ausgedehnter dunkler Färbung, wobei die dunkelste Form kaum noch rote Farbe aufweist und daher leicht mit einer Binsenjungfer oder einer Zwerglibelle verwechselt werden kann.

Larve/Exuvie:

Länge der letzten Larvenstadien/Exuvie 15 bis 19 mm, insgesamt relativ klein. Prämentum der Fangmaske mit zwei großen Borsten. Die Schwanzanhänge sind kurz und breit, am Ende leicht zugespitzt und weisen randlich vor allem im distalen Teil Flecken und keine Randborsten auf.

Verbreitung

Gesamtverbreitung:

Atlanto-mediterran, besiedelt in Europa die Iberische Halbinsel, Frankreich, die Schweiz, die Benelux-Länder bis Norddeutschland, Italien und einen schmalen Streifen an der östlichen Adriaküste entlang bis nach Nordgriechenland. Weiterhin findet man sie im Süden Großbritanniens, auf Kreta, Korsika, Sardinien und den Balearen.

Deutschland:

Es existieren in Deutschland zwei voneinander getrennte Areale. Das größere liegt in Nordwestdeutschland (vor allem in Niedersachsen und im westlichen Nordrhein-Westfalen, zusätzlich sind einzelne Fundpunkte in Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg bekannt). Hier hat die Art im Zuge des Klimawandels in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Ein weiterer, sehr kleiner Vorkommensschwerpunkt befindet sich am Bodensee (als Ausläufer einer Schweizer Population).

Schleswig-Holstein:

Bisher vor kurzem im äußersten Südosten des Landes aufgetreten. Seit zwei Jahren auch in der Nähe von Lentförden festgestellt.

Bestand in Schleswig-Holstein

Bei uns nur an wenigen Fundorten und in geringer Individuenzahl nachgewiesen. Die Art wurde erstmalig 1938 registriert und war bis 1946 bodenständig im Hellbachtal. Danach fehlen weitere Nachweise, bis im Jahr 2009 mehrer Individuen in einer aufgelassenen Kiesgrube bei Woltersdorf festgestellt wurde. In den Folgejahren konnten dort jedoch keine Tiere mehr beobachtet werden, so dass auch eine nur zeitweise Bodenständigkeit nicht anzunehmen ist. 2017 gelangten erneut Nachweise an zwei Stellen, sowohl im Hellbachtal als auch in der Nähe des Lankauer Sees, beides im Kreis Herzogtum Lauenburg. Der aktuell nördlichstes Fundort in Deutschland liegt in einem Moor bei Lentförden (erster Nachweis im Jahr 2020; 2021 bestätigt).

Biologie

Überwinterung: als Larve

Dauer Larvalentwicklung: ein Jahr im Süden, zwei Jahre im Norden des Verbreitungsgebietes

Schlupfzeit in SH: Ende Mai bis Ende Juli

Flugzeit in SH: Ende Mai bis Ende August

Verhalten:

Unausgefärbte Individuen sind relativ mobil und haben wahrscheinlich einen großen Aktionsradius, auch wenn sich viele Tiere in Gewässernähe in sonnenexponierter, strukturreicher Vegetation aufhalten.

Ausgefärbte Individuen am Fortpflanzungsgewässer erscheinen jedoch eher flugfaul. Sie ruhen meist in der gewässernahen Vegetation oder fliegen flach über schwimmenden Torfmoosbeständen, so dass sie leicht übersehen werden können. Sie sind aggressiv gegenüber anderen Männchen.

Paarung und Eiablage:

Die Paarung erfolgt in der gewässernahen Vegetation und dauert meist weniger als eine Stunde, gelegentlich auch länger. 

Die Eiablage wird im Tandem vollzogen, als Ablagesubstrat werden vor allem schwimmende Torfmoose und Wasserschlauch, weniger häufig auch Sauergräser oder Grünlagenwatten genutzt.

Lebensräume

Imagines:

Die in Schleswig-Holstein bekannten Populationen besiedeln kleine bis mittelgroße Moorgewässer mit einer schwimmenden Torfmoosdecke. Im westlichen Niedersachsen hat sich die Art in den letzten Jahren stark ausgebreitet und es sind inzwischen alle nicht austrocknenden Gewässer in renaturierten Mooren besiedelt. Es sollte daher auch bei uns im Land in wiedervernässten Mooren und an alten Torfstichen gezielt auf diese Art geachtet werden.

Larven:

Die Larven leben zwischen Pflanzenteilen, Grobdetritus oder Torfmoosen.

Gefährdung

Rote Liste Schleswig-Holstein 2011: extrem selten

Rote Liste Deutschland 2014: Vorwarnliste

Gefährdungsursachen: keine erkennbar

Schutz

Europäische Union (FFH-Richtlinie): -

Deutschland (BNatSchG): streng geschützt

Schutzmaßnahmen: Kleingewässer- und Hochmoorregeneration

Literatur

  • ARBEITSKREIS LIBELLEN SCHLESWIG-HOLSTEIN (Hrsg.) (2015): Die Libellen Schleswig-Holsteins. – Natur + Text, Rangsdorf.
  • BAUMANN, K.; JÖDICKE, R.; KASTNER, F.; BORKENSTEIN, A.; BURKART, W.; QUANTE, U. & T. SPRENGLER (Hrsg.) (2021): Atlas der Libellen in Niedersachsen/Bremen. - Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Libellen in Niedersachsen und Bremen, Sonderband.
  • BROCHARD, C.; D. GROENENDIJK; E. VAN DEN PLOEG & T. TERMAAT (2012): Fotogids Larvenhuijes von Libellen. – KNNV Uitgeverij, Zeist.
  • BROCKHAUS, T.; H.-J. ROLAND; T. BENKEN; K.-J. CONZE; A. GÜNTHER; K.G. LEIPELT; M. LOHR; A. MARTENS; R. MAUERSBERGER; J. OTT; F. SUHLING; F. WEIHRAUCH & C. WILLIGALLA (Hrsg.) (2015): Atlas der Libellen Deutschlands. – Libellula Supplement 14.
  • DIJKSTRA, K.-D. B. / SCHRÖTER, A. (Hrsg.) (2021): Libellen Europas. Ein Bestimmungsführer. – Haupt-Verlag, Bern. (überarbeitete Neuauflage)
  • STERNBERG, K. & R. BUCHWALD (Hrsg.) (1999): Die Libellen Baden-Württembergs. Band 1: Allgemeiner Teil, Kleinlibellen (Zygoptera)- Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart.
  • WILDERMUTH. H. & A. MARTENS (2019): Die Libellen Europas. Alle Arten von den Azoren bis zum Ural im Porträt. – Quelle & Meyer, Wiebelsheim.